Hintergrund

 

1. Deutschlands Bedarf nach Seltenen Erden und Rohmagneten steigt kontinuierlich

Der weltweite Bedarf an Seltene Erden Elementen (SEE) steigt seit Jahren. Die Gesamtproduktion von Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) Magneten lag beispielsweise im Jahr 2000 bei rund 10.000 t und wird 2020 vorausschlich 120.000 t betragen. NdFeB Magnete stellen weltweit etwa 62 % der Permanentmagnete dar.

Der Anteil Chinas an der weltweiten Produktion von SEE belief sich im Jahr 2014 auf 97,5 %. (Quellenangabe am Fuss des Textes [1]) Dadurch verfügt China über eine enorme Marktmacht. In der Europäischen Union ist Deutschland der größte Importeur von SEE aus China. Der Bedarf an Permanentmagneten für die deutsche Industrieproduktion wird in Zukunft überproportional zum Weltverbrauch steigen. Dies hängt im Wesentlichen mit den folgenden Entwicklungen zusammen:

  1. Eine schrittweise Erhöhung der Energieeffizienzklassen von Elektromotoren aufgrund europäischer Energieeffizienzgesetzgebung.
  2. Einer Umstellung der Automobilindustrie auf Elektromobilität.
  3. Dem weiteren Ausbau der Windenergie.
  4. Immer kürzeren Produktzyklen von optischen und akustischen Geräten der Informations- Kommunikations- und Unterhaltungselektronikbranche, sowie in der Automationstechnik.

Deutschland ist vergleichsweise rohstoffarm, erzeugt jedoch einen bedeutenden Teil des Bruttosozialproduktes durch die Herstellung von spezialisierten Industrieprodukten (z.B. Automobil-, Maschinen-, Automations-, Medizintechnik) in denen SEE Verwendung finden. Somit sind SEE für sehr unterschiedliche Branchen und Akteure essentiell.

 

2. Nachhaltiges Lieferkettenmanagement eine Herausforderung für Rohmagnetimporteure

Die Identifikation, Bewertung und Steuerung der sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der eigenen Lieferkette stellt deutsche Unternehmen mit Rohmagnetlieferanten aus China vor große Herausforderungen. Insbesondere die Beeinflussung der Upstream-Kette (vom Abbau bis zum Schmelzen) und die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards am Ursprung der Lieferkette sind für einzelne Unternehmen nur schwer zu realisieren. Dies ist vor allem auf die Komplexität der Lieferkette und die sich ständig wandelnden Märkte und Beziehungen zurückzuführen. Der geringe Einfluss europäischer Importeure auf die Upstream-Kette stellt neben den Umweltrisiken, die wesentliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer haben, folglich ein großes Problem für ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement eines Unternehmens dar.

Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Unternehmen, Verantwortung für ihre Lieferketten zu übernehmen und dies auch zu dokumentieren. So wurde am 09.03.2017 im Bundestag ein Gesetz zur Stärkung der nicht-finanziellen Berichterstattung von Unternehmen beschlossen, um die EU-Richtlinie 2014/95 umzusetzen. Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie in der aktuellen Broschüre des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Der DNK ist ein Berichtsstandard für Nachhaltigkeitsaspekte bzw. nicht-finanzielle Leistungen. Der DNK kann weltweit angewendet werden und ist für Organisationen und Unternehmen jeder Größe und Rechtsform nutzbar. 

FairMagnet möchte den genannten Herausforderungen durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess effektiv begegnen und einen partnerschaftlichen Umgang mit chinesischen Rohmagnetproduzenten erreichen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

3. Überblick zum Bedarf

Auch weltweite Szenarien gehen von einem stark wachsenden Bedarf an SEE (v.a. Neodym, Praseodym, Dysprosium, weniger Terbium) für Windkraftanlagen aus. Der Bedarf könnte von rund 200 t im Jahr 2010 für diesen Einsatzbereich bis zum Jahr 2020 auf 8.000 t oder gar 20.000 t steigen.

Die Magnetgewichte in den Antriebssträngen für Hybrid-, Plug-in-Hybrid und vollelektrische PKW liegen heute je nach Motorengröße bei 1 bis 2,4 kg pro PKW. Selbst Elektrofahrräder haben ein Magnetgewicht pro Rad von 300g (bei einem Nd-Anteil von derzeit etwa 30%).

 

4. Lebenszyklus, von Rohmagneten

Verändert nach: UN Global Compact Office (2012)

5. Die Lieferkette von den Minen zum Endprodukt

Eine wesentliche Herausforderung ist es, mehr Verantwortung für die Prozesse Upstream zu übernehmen. Dies kann nur in enger Zusammenarbeit mit den chinesischen Institutionen und Produzenten gelingen. Aufgrund der geringen Anzahl an Schmelzen ist es schwierig, als einzelne Firma den Upstream Sektor zu beeinflussen. Deswegen bündelt FairMagnet die Anstrengungen der einzelnen Mitglieder.

 

 

6. Die Umweltschutzproblematik der Rohmagnetherstellung

In der Upstream Kette vom Abbau bis zu den Schmelzen gibt es zahlreiche Risiken. Die Universität Nanjing, die FairMagnet aktiv unterstützt, steht in Kontakt mit Akteuren der Upstream-Prozesse. So wird angestrebt, dass FairMagnet seine Mitglieder bei der Liaison mit chinesischen Verbänden und Institutionen vertritt. Die Umweltrisiken sind am Ursprung der Lieferkette am größten, der Einfluss europäische Importeuere am geringsten.

Risiken des Abbaus von Seltenen Erden ohne oder mit unzureichenden Umweltschutzsystemen

Quelle: Degreif, S., et.al. (2011)

[1] BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) 2014: Vorkommen und Produktion mineralischer Rohstoffe – ein Ländervergleich.